Biomarkt – Beitrag für eine bessere Welt?

Biomarkt klingt gut. Wer in einem Biomarkt einkauft, tut dies aus Überzeugung. Denn wo sonst werden gesunde Nahrungsmittel ausschließlich aus kontrollierten biologischen Anbaugebieten angeboten? Biomarkt klingt außerdem nach bewusstem Umgang mit der Natur und erklärter Verantwortung für die Ernährung. Kurzum, Biomarkt klingt für mich einfach nach einem Beitrag für eine bessere Welt.

Biomarkt – Beitrag für eine bessere Welt

Wie froh war ich doch vor einigen Monaten, als ich zufällig diesen gut sortierten Biomarkt am Berliner Stadtrand entdeckte. Fast alles, was das Herz begehrt, bietet das umfangreiche Sortiment. Ein ansprechender Laden, in dem ich mich sofort wohl fühlte und der mein Biomarkt werden sollte. Da solle noch jemand behaupten, vegetarisch kochen wäre langweilig, dachte ich bei mir. So nahm es schon einige Zeit in Anspruch, mir einen Überblick über die abwechslungsreichen Fleisch-, Wurst-, Käse- und pikanten Salatvariationen zu verschaffen. Soweit vegetarisch und sogar vegan.

Fleisch im Biomarkt

In Erstaunen versetzte mich allerdings das ebenso umfangreiche Fleischangebot des Biomarktes. Für mich ein großer Wermutstropfen, der einzig durch das Prädikat „Bio“ gemildert wird. Wenn dies auch leider nicht einem respektvollen sowie artgerechten Umgang mit den Tieren entspricht.

Biomarkt sorgt für Enttäuschung

Zufrieden mit meinen Einkäufen drängte es mich, die neu entdeckten vegetarischen Fleischbällchen mediterraner Art zuzubereiten. Ein wahrer Genuss, den ich unbedingt wiederholen wollte. Doch schon beim zweiten Besuch des Biomarktes wurde ich leicht enttäuscht. Die Fleischbällchen lagen zwar im Kühlregal, doch bei den meisten Packungen war das Haltbarkeitsdatum bereits abgelaufen. Bedauerlicherweise passiert dies auch in anderen Supermärkten sehr häufig. Doch wer in einem Biomarkt wie den hier beschriebenen einkauft, darf zu Recht einwandfreie Ware erwarten. Schließlich kostet ein gut gefüllter Einkaufswagen hier wesentlich mehr, als bei einem Discounter wie Aldi oder Lidl. Dort gibt es bekanntlich auch Bioware.

Respekt und Verantwortung

Achtung, Respekt, Verantwortung vor Mensch, Tier und Natur. Dies ist wahrlich ein sehr hoher und kaum erfüllbarer Anspruch. Biomärkte suggerieren jedoch genau dies dem Verbraucher und leben von diesem Image. Kritik wegen Billiglöhnen, Ausbeutung sowie Verstößen gegen gesetzliche Arbeitszeiten mussten sich nicht nur Alnatura, sondern auch die inzwischen führende Bio-Supermarkt-Kette „denn´s“ gefallen lassen. Respekt vor den eigenen Mitarbeitern scheint auch beim oben besagten, zum Marktführer gehörenden Biomarkt wohl kaum vorhanden zu sein.

Bio nur mit Dumpinglöhnen?

Ausbeutung der Mitarbeiter und Verstöße gegen gesetzliche Arbeitszeitvorschriften stören mich! Dies trübt in jedem Falle mein Vertrauen und zeigt einmal mehr, dass „Bio“ nicht nur eine Lebenseinstellung, sondern vor allem Geschäft bedeutet. Wenn schon der Umgang mit den Mitarbeitern wenig respektvoll verläuft, wie verläuft dann alles andere?

Foto: PeterKraayvanger, pixabay