Damenhandtaschen und die Qual der Wahl

Wenn man sich nicht entscheiden kann…Neulich beim Shoppen im Kaufhaus. Eine neue Tasche musste her. Diesen Entschluss fasste ich nach einem mäßig anstrengenden Arbeitstag und so führte mich mein Weg nach Feierabend direkt in das nächste Kaufhaus Die Angelegenheit sollte schnell erledigt sein, so dachte ich jedenfalls. Denn schließlich wusste ich genau, was ich wollte. Eine praktische Handtasche, mittelgroß, mit Reißverschluss und aus pflegeleichtem Material schwebte mir vor. Rot sollte sie sein. Rot ist meine Lieblingsfarbe.

Neue Handtsche – aber nicht aus Leder!

Eines sollte sie auf keinen Fall sein. Nicht aus Leder. Seit ich immer mehr über die schmutzigen Geschäfte mit Tieren, sei es für die Ernährung oder für die Pelz- und Ledergewinnung erfahre, lehne ich Produkte aus tierischen Materialien ab. So war ich dann höchst erfreut über das Handtaschenangebot im Kaufhaus. Fast die gesamte Verkaufsfläche der Taschenabteilung präsentierte sich mit den neuesten und schickesten Modellen modischer Damenhandtaschen. Allesamt aus neuem, pflegeleichten Material. Ledertaschen standen nur vereinzelt in den hinteren Regalen. Optisch sind die neuen Materialien kaum von echtem Leder zu unterscheiden. Der einzige Unterschied ist: Kein Tier musste unter grausamen Umständen für das beliebte Damen-Accessoire getötet werden. Das ist der wichtigste Unterschied.

Doch zurück zu meinem Vorhaben

Von Kauflust getrieben, schritt ich gemächlich die Verkaufsregale ab, wobei mich recht schnell eine schwarze Lacktasche in ihren Bann zog. Zunächst widerstand ich der Versuchung, denn ich hielt ja Ausschau nach einer roten Tasche. Mein Suchen schien die Verkäuferin inspiriert zu haben mich freundlich zu fragen, ob sie mir helfen könne. Ab diesem Zeitpunkt begann mein Problem. Natürlich zeigte sie mir die schwarze Lacktasche; meine unterdrückte Begeisterung für das gute Stück war ihr nicht entgangen. Noch während ich die glänzende Tasche in Augenschein nahm brachte die Verkäuferin weitere Modelle von denen sie annahm, dass sie mir gefallen würden.

Was mache ich mit den „Alten“?

Ich begann bereits zu überlegen, welche meiner alten Taschen ich aussortieren würde. Und überhaupt, wie lange war es her, dass ich mir selbst etwas gönnte? Dabei belog ich mich selbst, schließlich „gönnte“ ich mir erst vor einigen Wochen ein paar rote Schuhe. Aber egal, ich war in Kauflaune und da ich mich nicht zwischen der Lacktasche und einer anderen schicken schwarzen Tasche entscheiden konnte beschloss ich, beide zu kaufen. Über die erhöhten Ausgaben wollte ich im Moment nicht weiter nachdenken. Auf dem Weg zur Kasse passierte es dann. Versteckt auf einem der hinteren Verkaufstische präsentierte sich eine rote Handtasche, so, als hätte sie nur auf mich gewartet. Ratlos stand ich da, zwei schwarze Handtaschen unter dem Arm, und war hin und her gerissen.

Die Qual der Entscheidung

Inzwischen war mir ziemlich warm geworden, doch nun perlte mir der Schweiß auf der Stirn. Ich konnte mich nicht entscheiden! Fieberhaft rechnete ich im Geist den Preis der drei Taschen zusammen und mir wurde schwindlig. Die Verkäuferin schien mein Dilemma zu ahnen, zog sich rücksichtsvoll zurück und widmete sich diskret einer anderen Kundin. Mit allerlei Gründen überredete ich meine Vernunft. Eine schwarze Lacktasche hatte ich noch nie! Die andere Schwarze würde sich gut für alle Tage eignen. Ja und die Rote? Sie würde ganz wunderbar zu meinen roten Schuhen passen! Die Qual der Wahl besiegte mich; ich hatte verloren. Unfähig, mich nur für eine der drei Taschen zu entscheiden, bezahlte ich meine Errungenschaften. Stolz, jedoch nicht ohne schlechtes Gewissen, schleppte ich drei große Einkaufstüten nach Hause.

Bleibt nur noch die Frage, welche meiner alten Taschen sortiere ich nun aus?…

Foto: Nikasucha, pixabay