Warum gehacktes Pferd statt Rindfleisch?

Fast scheint es, als würde man uns mit allen Mitteln den Appetit verderben wollen! Missstände in der Massentierhaltung, Vogelgrippe beim Geflügel, ungenießbares Fleisch als Frischfleisch deklariert und noch vieles mehr. Das traurige Ende dieser Aufzählung ist noch längst nicht erreicht, da überfällt uns bereits der nächste Skandal…

Warum Pferdefleisch statt Rind?

Klein gehacktes Pferdefleisch, dem Verbraucher als Rinderhack dargeboten, hielt Einzug auf den Speiseplan ahnungsloser Köche und Köchinnen, getarnt als wohlschmeckende Mahlzeit.

Nun, gegen Pferdefleisch ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Es gilt als guter Eisenlieferant, hat eine feste sowie zarte Konsistenz und ähnelt in Geschmack und Aussehen dem Rindfleisch.

Historisch betrachtet…

…gehört Pferdefleisch zu den ältesten Nahrungsmitteln der menschlichen Geschichte. Selbst die Griechen und Römer verschmähten das fettarme Fleisch nicht, obgleich sich eher die arme Bevölkerung mit Pferdefleisch versorgte. Papst Gregor III verbot im Jahre 732 allerdings den Verzehr. Im Laufe der Reformation gestand man den ärmeren Schichten wieder den Genuss des Fleisches zu, doch erst im 19. Jahrhundert lehnte man sich vielerorts gegen das Verbot auf.

  • Ethisch und moralisch

Es widerstrebt uns jedoch eher, Pferde zu essen, obwohl der Verzehr europaweit durchaus nicht unüblich ist. Pferde sind edle Tiere, mit ihnen wird nicht nur eine Form der Freizeitgestaltung, sondern auch Sport und die Hohe Schule der Reitkunst verbunden. Sich die edlen Tiere in blutigen Schlachtereien, zerteilt, zersägt und zerhackt vorzustellen, scheint längst nicht so appetitanregend zu sein wie bei Rindern, Schweinen und Geflügel.

  • Böswillige Täuschung

oder ein neuer Fleischskandal?

Natürlich möchte ich Gewissheit haben. Die Gewissheit, mich auf die bewusste Auswahl einer Fleischsorte verlassen zu können und nicht ahnungslos getäuscht zu werden. Doch genau an dem Punkt sind meine Möglichkeiten ausgeschöpft, denn das nun in die Schlagzeilen geratene Pferdefleisch ist in Fertiggerichten untergemischt. Für den Verbraucher besteht praktisch keine Chance, bei falscher Deklarierung Verdacht zu schöpfen.

  • Gulasch, Lasagne, Pastete, Ravioli

Wer derzeit diese Gerichte auf dem Speiseplan zu stehen hat, kann mit medikamentenverseuchten, ehemaligen Turnier- oder Rennpferden als Fleischzugabe rechnen. Discounter wie Aldi-Süd, Lidl und andere nehmen die Fertiggerichte aus ihren Regalen. Die einzige Konsequenz, dem Desaster zu entgehen, wäre gänzlich auf Fleisch zu verzichten.

  • Und unsere Gesundheit?

Auch wenn nach bisherigen Äußerungen keine Gefahren für den Menschen durch den Verzehr des skandalträchtigen Pferdefleisches bestehen sollen, so weiß man doch nicht genug über Herkunft, Haltung und medizinischer Versorgung der Tiere. Man kann also nicht genau sagen, welche eventuell gefährlichen Medikamentenrückstände sich unter Umständen im Fleisch befinden und somit durch den Menschen aufgenommen werden. Bisher wurde in einigen Fällen das Medikament Phenylbutazon, ein Schmerzmittel, nachgewiesen.

Sicherheitslücke Equidenpass

Turnierpferde erhalten mehr und stärkere Medikamente als Freizeitpferde. Es versteht sich von selbst, dass diese Tiere normalerweise nicht zur Schlachtung für die menschliche Ernährung vorgesehen sind. Die Europäische Union hat 2009 den sogenannten Equidenpass für Pferde eingeführt. Darin sind Daten wie Geburtsdatum, Impfungen sowie die Bestimmung, ob das jeweilige Tier für den menschlichen Verzehr geeignet ist, festgehalten. Auch die Identität des Eigentümers gehört in diesen Pass. Lt. Spiegel.online heißt es, kein Pferd darf ohne einen entsprechenden Pass geschlachtet werden. Doch was tun, wenn der Pass verloren ging? Die Schlachterei bringt dem Eigentümer allemal mehr Geld als die Abdeckerei. Insidern zufolge soll diese Sicherheitslücke regelmäßig genutzt werden.

  • Umdenken

Sollten die Zustände sämtlicher Fleischverwertung sowie die schrecklichen Missstände in der Massentierhaltung uns Verbrauchern nicht endlich die Augen öffnen und zum Umdenken bewegen? Wenn wir uns doch offensichtlich scheuen, Pferdefleisch zu genießen, warum essen wir so übermäßig viel Schweine, Rinder und Geflügel?

Die Zeit ist mehr als reif dafür.

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