Geschäft mit Foie Gras – eine Delikatesse

Sie gilt als Delikatesse. Und Delikatessen haben ihren Preis. Die einen bezahlen mit Euro, die anderen mit einem kurzen, mit unbeschreiblichem Schmerz und Leid, versehenen Leben.

Um was geht es? Die Delikatesse, von der hier die Rede ist, nennt sich Foie Gras. Ein wohlklingender Name für einen Gaumenschmaus, der im Deutschen als Stopfleber wesentlicher weniger appetitlich klingt. Den ca. 14 Wochen alten Enten oder Gänsen, denn sie sind die Lieferanten des Foie Gras, werden lange Rohre gewaltsam in den Hals gesteckt. Auf diese Weise wird den Tieren täglich in mehrmaligen Prozeduren bis zu 2 Kilo fetter Maisbrei als Nahrung in den Magen gedrückt. Nach rund 25 Tagen bringen die Lebern der Tiere das angestrebte Gewicht zwischen 600 Gramm bis zu einem Kilo auf die Waage. Der Erfolg des Stopfens klingelt in barer Münze. 80,- Euro per Kilo Rohware für Entenstopfleber. Wer Gänsestopfleber bevorzugt, muss tiefer in die Tasche greifen. Dokumentationen zeigen, wie abscheulich und grausam mit den Tieren umgegangen wird. Moral und Ethik spielt bei gewinnbringenden Geschäften offensichtlich keine Rolle. So kann man Ländern wie Finnland, Deutschland, Österreich oder Polen, die die Stopfmast bei sich als Tierquälerei verboten haben, nur Respekt zollen. Doch was nutzen Produktionsverbote, wenn es auch hierzulande die feinsten Foie Gras zu kaufen gibt? Einmal als Suchbegriff in die Internet-Suchmaschine eingegeben, blättern sich zig Anbieter auf, die mit interessanten Preisen zum Kauf locken. 140 Gramm dieses Leckerbissens für ca. 30,- Euro. Je feiner, desto teurer.

Stopfleber – Delikatess für den verwöhnten Gaumen

Kann man besseren Wissens, trotz der grausamen Bilder tausender blutgetränkter, zappelnder Tiere, denen sogar noch ein schmerzfreier Tod verwehrt wird, sich diese Delikatesse wirklich genüsslich auf der Zunge zergehen lassen? Dies ist eine Gewissensfrage, die jeder Esser für sich selbst entscheiden und beantworten muss. Denn solange der Verkauf der Leberpasteten nicht verboten wird, solange wird es die Gourmets geben, die auf den kurzen Genuss nicht verzichten wollen. Selbst Deutschland hat es bisher trotz Engagement etlicher Tierschutzorganisationen nicht für nötig erachtet, sich für ein Verkaufsverbot zu entscheiden.

Wie gehen andere Länder mit Stopfleber um?

Kalifornien hat nun, sogar gegen den Widerstand der Gastronomie, per 1.7.2012 ein Gesetz erlassen. Als erster US-Bundesstaat ist die Herstellung sowie der Verkauf von Stopfleber verboten. Zusätzlich ist auch der Handel mit Federn sowie anderen Produkten von Enten und Gänsen verboten. Allerdings nur von den unfreiwillig mit Riesenmahlzeiten Gestopften. Wer will jedoch überprüfen, woher die Federn stammen? Eine völlige Sonderstellung nimmt Frankreich ein. Dort wurde im Jahre 2006 Foie Gras von der Nationalversammlung als „nationales und gastronomisches Kulturerbe“ in das Landwirtschaftsgesetz aufgenommen. Tierschützer haben dort keine Chance. Hat es überhaupt einen Sinn, angesichts so weit verbreiteter Beliebtheit dieser Pasteten, zum Umdenken aufzurütteln?

JA! Nicht jeder Esser wird um die Grausamkeiten der Stopfmast wissen. Um so wichtiger ist Aufklärung, Information sowie der Appell, Essgewohnheiten zu überdenken. Es bleibt zu hoffen, dass immer mehr verantwortungsbewusste Menschen sich angesprochen fühlen und künftig auf den Verzehr der feinen Pastete verzichten werden. Ein Verzicht zugunsten der wehrlosen Tiere.

Foto: PeterDargatz, pixabay