Get Out – Film mit mehr Tiefgang als Horror

Wer sich den Trailer der Kino Neuerscheinung Get Out anschaut, ahnt, dass es im Hause der Armitages nicht mit rechten Dingen zugeht. Ein Horrorthriller, bei dem die Hautfarbe die Hauptrolle spielt.

Weiße Tochter aus gutem Haus. Er, Chris Washington, ein Schwarzer. Die beiden sind ein Paar. Rose Armitage will nun ihren Freund ihren Eltern vorstellen. „Wissen sie, dass ich schwarz bin?“ Eine bedeutungsvolle Frage, die weder einer weiteren Erklärung bedarf noch die Beweggründe unklar sind, weshalb sie gestellt wurde. Rose hingegen nimmt Chris den Wind aus den Segeln. Ihr Vater, erwidert sie scherzhaft, hätte seine Stimme auch ein drittes Mal Obama gegeben. So weit, so gut; das Paar bereitet sich auf ein Wochenende auf dem Land vor, wo die Eltern ein Landhaus bewohnen, das irgendwie an die Südstaaten der USA erinnert.

Subtiler Rassismus auch ohne viele Worte

Die Bedenken von Chris wegen seiner Hautfarbe scheinen unbegründet – zunächst. Er wird offen und herzlich von den Eltern begrüßt und aufgenommen. Vater Dean zeigt Chris das Anwesen. Beim Rundgang begegnet Chris schwarzen Angestellten. Haushälterin Georgina und Gärtner Walter lächeln wie Außerirdische. Unbehagen kehrt zu Chris zurück. Höflich, wenn auch distanziert und vor allem etwas merkwürdig benimmt sich Familie Armitage. Besonders Jeremy, der Bruder von Rose, hinterlässt einen etwas gestörten sowie aggressiven Eindruck. Für mich als Zuschauer wird eigentlich schon jetzt klar, dass Chris als schwarzer Freund der weißen Tochter nicht unbedingt gern gesehen ist.

Schwarz trifft Weiß beim Gartenfest

Ausgerechnet an dem Wochenende, an dem Chris die Eltern seiner Freundin kennenlernt, findet ein großes Gartenfest statt. Traditionell wird es jährlich zum gleichen Zeitpunkt veranstaltet. Es erscheint eine Schar gutbürgerlicher weißer Nachbarn, denen ihr rassistisches Denken ins Gesicht geschrieben steht. Sie scheinen sich eindeutig den anwesenden Schwarzen überlegen zu fühlen. Die Schwarzen wirken wie Menschen, die „gehalten“ werden, als Untergebene oder Dienstboten, wie seinerzeit Sklaven. Auf jeden Fall scheinen sie inmitten der schwelenden Abneigung gegen die schwarze Hautfarbe wie isoliert.

Get Out – mehr Tiefgang als Horror

Natürlich möchte ich hier nicht zu viel über den Film verraten. Dem Regisseur Jordan Peele ist mit Get Out jedenfalls eine gute filmische Umsetzung von leider immer noch in weißen sowie schwarzen Köpfen umher schwirrenden Klischees, von denen in der Gegenwart mehr als genug brutale Wirklichkeit werden, in Bezug auf Rassismus gelungen. Im Making Of erwähnt der Regisseur, eigene, wahre Ängste und Probleme seien mit in Get Out geflossen. Sein Werk soll provokant, satirisch sowie thematisierend sein, eben zum Nachdenken anregen. Bereits die Anfangsszene zeigt Beklemmung und Angstgefühle. Ein Schwarzer durchlebt sie, als er nachts allein in einem noblen Vorort der Weißen nach einer Adresse sucht. Eine Filmszene zwar, die jedoch durchaus real sein dürfte. Allerdings funktioniert dies auch im umgekehrten Fall der Hautfarben.

Neuerscheinung zum Nachdenken

Anfangs fühlte sich Get out für mich ein wenig langatmig an. Die ruhige Erzählweise ist jedoch notwendig, um voll und ganz in die Atmosphäre der Handlung abtauchen zu können. Die wie hypnotisiert und wie aus einer anderen Welt wirkenden Schwarzen im Rahmen des Geschehens ließen mich zunächst befürchten, dass der Tenor in Richtung Klamauk mit einer an den Haaren herbeigezogenen Story weiter gehen würde. Doch die Seltsamkeit des merkwürdigen Verhaltens klärt sich im Laufe der Handlungen auf, vor allem auch wegen unerwarteter Wendungen des Films. Es fehlt auch nicht an einer Prise Humor wie z. B. der schwarze Rat: Geh nicht in ein Haus der Weißen. Dies, die vollständige Handlung sowie die subtile Erzählweise von Get Out zeigen, dass das Rassismusproblem in den USA noch lange nicht gelöst ist.

Get Out, USA 2017

Länge: 104 Minuten

Deutscher Kinostart: 04. Mai 2017

FSK 16

Foto: Wikilmages, pixabay

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

drei × zwei =