Historischer Film zum Jubiläumsjahr der Reformation

500 Jahre gingen bisher ins Land, seit Martin Luther der Überlieferung nach, die Tür der Schlosskirche in Wittenberg zur Veröffentlichung seiner 95 Thesen nutzte. Deutschland im Jubiläumswahn.



Spätestens seit dem 31. Oktober 2017 dürfte weltweit bekannt sein, welch bedeutende Rolle Martin Luther in der Reformation der Kirche spielte, deren Auswirkungen bis in die heutige Zeit reichen. Diesen Tag würdigten etliche Länder mit zahlreichen Veranstaltungen, Ehrungen sowie Aktionen. Hierzulande durften sich alle Gläubigen sowie Nichtgläubigen über den bundeseinheitlichen Feiertag freuen – ein einmaliges und wahrscheinlich auch letztmaliges Ereignis im Zeichen des Reformationsjahres. Wenig verwunderlich, dass der Reformationstag am 31.Oktober außer Konkurrenz stand, selbst Halloween rückte in den Hintergrund. Wer diesen Tag nicht spurlos an sich vorbeiziehen lassen wollte, hatte die Qual der Wahl zwischen feierlichen Gedenkstunden, Festgottesdienste und Kirchenandachten, kirchlichen Diskussionsrunden, Informationsveranstaltungen über Leben und Werk Martin Luthers oder einfach nur Teilnehmer eines der Spektakel anlässlich des Jubiläumstages zu sein.

500 Jahre 95 Thesen – Gedenken an Martin Luther

Der Fokus der Feierlichkeiten zu Ehren Martin Luthers richtet sich nach Wittenberg, die Stadt, die durch das Anschlagen der 95 Thesen in aller Munde ist. Finden dort jährlich rund um den Reformationstag zahlreiche Veranstaltungen statt, spielte die Stadt zum 500. Jubiläumsjahr ein ganz besonderes Spektakel auf und tauchte in die Zeit von damals ab. Das historische Marktspektakel mit Gauklern, Musikanten und Handwerksleuten verwandelte Wittenberg und ließ die Zeit des Mittelalters aufleben. Und in Berlin? Auch hier war und ist auch in den nächsten Tagen im Zeichen des Reformationstages noch viel los. Für den gestrigen Abend entschied ich mich für einen historischen Film, Luther aus der Perspektive von 1927.

Historischer Film zum Reformationstag – präsentiert von Stephan Graf von Bothmer

Die Kapelle des Alten Zwölf-Apostel-Kirchhofs freute sich anlässlich der Filmvorführung über starken Besucherandrang. Die Sitzplätze reichten bei Weitem nicht aus, zusätzliche Stühle wurden eiligst bereitgestellt. Gezeigt wurde der vom Bundesarchiv rekonstruierte und restaurierte Stummfilm „Luther“ von 1927. Ein ungewöhnliches Dokument aus dem Letzten Jahrhundert des Regisseurs Hans Kyser, dessen damalige Aufführungen in den Kinosälen zu Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten geführt haben soll. Auch am gestrigen Abend wurde die Vorführung offensichtlich mit unterschiedlichen Empfindungen aufgenommen. Während einige Zuschauer die Kapelle vorzeitig verließen, bewiesen die ernsthaft Interessierten ihr Durchhaltevermögen. Eine Herausforderung auch für mich, nicht nur, weil die eingeblendete Textuntermalung in altdeutscher Schrift erfolgte. Der Stummfilm zeichnet den Lebensweg des Reformators Martin Luther mit einer Spieldauer von knapp über 2 Stunden mit viel Gestik und Mimik der Darsteller auf, was neben der historisch zwar interessanten Handlung und für damalige Verhältnisse beeindruckende Filmaufnahmen teilweise äußerst langatmig auf mich wirkte, mir doch trotzdem meine Achtung für dieses Wert abverlangt.

Live Filmmusik während der Stummfilm Vorführung

Bemerkenswert ist das Engagement des Komponisten und Pianisten Stephan Graf von Bothmer. Ihm ist mit seinem Einsatz die Möglichkeit zu verdanken, als interessierter Zuschauer am Zeitdokument „Luther“ von 1927 teilzuhaben. So ist er in diesem Jahr mit einer „Luther“ Tournee unterwegs, die gestern einen Stop in Berlin einlegte. Ein Blick auf die lange Liste der Referenzen verrät zudem umfangreiche Erfahrungen in der musikalischen Begleitung von Stummfilmen, die wir Zuschauer gestern live erleben konnten. Denn für den „Luther“ Film komponierte von Bothmer die Musik. So untermalte der Pianist – ohne Pause wohlgemerkt – die gesamte Filmvorführung, klopfte unermüdlich auf die Tasten des Klaviers, umrahmte musikalisch, hob perfekt Dramatik und Gefühlswelt der Handlung hervor. Gemessen an der Länge des Films kann ich nur sagen: Eine überaus beachtliche Leistung.

Foto: andibreit, pixabay

 

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Marianne Rauch und ihre Sicht der Dinge…
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