Stierkampf – Spanische Traditionen brechen

Stierkampfarena. Nein, dieses Wort gefällt mir ganz und gar nicht. Es stört mich empfindlich und schmälert meine Begeisterung über ein Land, welches doch so viel zu bieten hat.

Spanien. Andalusien

Assoziationen zu Sonne, Sand und Meer, verträumten Dörfern mit weißen Häusern, feurigen Flamenco-Tänzerinnen und Tänzer, Gitarrenklängen bei einem guten Glas Rotwein. Der Stolz der Einwohner, gewachsen und geprägt aus überlieferten Kulturen wie die der alten Römer, Griechen, Mauren, Karthager, Goten. Imposante Bauwerke zeugen noch heute von prachtvollen Zeiten. Und so werden nicht nur Kulturgüter gepflegt, sondern auch Traditionen, Gebräuche und Sitten.

Wie etwa der Stierkampf. Nicht wegzudenken aus den zahlreichen spanischen Arenen, in denen der Stier nur wenig Überlebenschancen hat. Nur den besten Zuchttieren wird die „Ehre“ zuteil, Opfer der stolzen, traditionssüchtigen Matadore zu werden. Doch wer genau hinsieht, bemerkt die Todesangst, die Verunsicherung und den unendlichen Schmerz der Tiere. Die Stiere weinen, haben tränen gefüllte Augen. Doch keine Tradition ohne Geschäftsumsatz. Selbst im historischem Zentrum der andalusischen Stadt Mijas, rund 30 Kilometer südwestlich von Málaga gelegen, prangt eine kleine Stierkampfarena. Mijas Pueblo wird zum spektakulären Anziehungsmagneten für Einheimische, Besucher sowie Touristen und erstrahlt in geschmückter Feierlichkeit. Der Grund: Stierkampf. Ein Sonntag wird zum Familienfest, für die Stiere werden es die letzten Stunden.

Auch hoch in den Bergen

Alles hat einen Anfang. Auch Traditionen beginnen irgendwann und so hat der Stierkampf im andalusischem Ronda seinen Ursprung. Im 18. Jahrhundert erlebte dieser „Sport“ seine Blütezeit. Die in dieser Zeit erbaute Arena „Plaza del Toro“ bietet rund 6.000 Besuchern Platz. Auch Orson Wells und Hemingway erfreuten sich an der traditionsreichen Darbietung. Der Kult aus Feierlichkeiten sowie Matador-Verehrung lässt den Blick auf die leidenden Tiere vernebeln. Bis zum heutigen Tage finden in dieser Arena Stierkämpfe statt. An den Zeiten dazwischen steht die Arena interessierten Besuchern offen und so bietet sich die Möglichkeit, den Weg der Stiere zu gehen. Enge Gänge, durch die sie getrieben werden, an deren Ende die stolzen und kräftigen Tiere das Tor in den Tod passieren. Es ist ein bedrückendes Gefühl, den gleichen Weg zu durchqueren, um anschließend verloren in der Arena zu stehen.

Kritische Stimmen – mit Traditionen brechen

So nützlich bzw. nostalgisch Traditionen sein mögen, passen sie wirklich noch in die Gegenwart? Immer wieder fordert der Stierkampf auch unter den Matadoren Opfer. Von Stierhörnern durchbohrte Körperteile sowie schlimmste Verletzungen, die nicht selten den Tod etlicher Matadore in der langen Geschichte des Stierkampfes zur Folge hatten, stoppten die berühmteste Attraktion Spaniens bisher nicht. Auch nicht die kritischen Stimmen der jüngeren Generation, die diesen Irrsinn in Frage stellen und nicht jubelnd in die Arenen stürmen, nur weil es schon immer so war. Wie die Flamenco-Tänzerin Charo. Geboren und aufgewachsen in Spanien, liebt sie dieses wunderschöne Land mit seiner vielfältigen Kultur. In ihrer Kindheit besuchte sie fast jede Woche einen Stierkampf und wusste bereits damals, wie grausam und bestialisch diese Tradition ist.

 

Fotos: memyselfaneye, pixabay

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Marianne Rauch und ihre Sicht der Dinge…
Bloggerin bei SocialPosition, Standort Berlin
„In jedem Einzelnen von uns steckt die Kraft, Veränderungen in unserer Welt positiv zu beeinflussen.“

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