Stricken ja – Aber mit tierfreundlicher Wolle

Hobbys wie Stricken oder Häkeln scheinen nie aus der Mode zu kommen. Vor allem heutzutage, wo eine große Auswahl an effektvollen Garne und Wollsorten zur Kreativität anregen.

Die leidenschaftlichen Strickerinnen unter Ihnen werden froh über den wieder erwachten Trend sein. Gilt doch ein modischer Pullover, Schal oder Mütze, eigens in Handarbeit gefertigt, als Unikat. Zudem ist Stricken ein beliebtes Hobby, auch Häkeln steht dem nicht nach. Viele Wollgeschäfte bieten zusätzlich Strickkurse sowie gemeinschaftliches Stricken bei gemütlichem Kaffeeplausch an. Bereits Mitte der 70ziger bis in die 80ziger Jahre gab es schon einen regelrechten „Wollhype“. Es wurde gestrickt, was das Zeug hielt, in Bus und Bahn, in der Mittagspause, ja sogar im Bundestag. Ich gebe es zu, Wolle fasziniert mich, damals wie heute. Es ist einfach ein sehr angenehmes Material und ich habe im Laufe der Zeit so einige Meter Wolle verstrickt. Vom grausigen Tierleid, welches leider allzu oft hinter der schmusigen Wolle steckt, ahnte ich damals nichts.

Tierschutz und Wolle – wie passt das zusammen?

Nicht nur Schafe werden ihrer Wolle „beraubt“. Auch Alpakas, Angora-Kaninchen und Cashmere- und Angoraziegen werden zur Herstellung der edlen Wolle geschoren. Wer nun jedoch die Vorstellung hat, die Tiere stehen auf der Weide und werden sorgsam per Hand geschoren, denkt hier recht naiv. Die Wollherstellung belegt einen Industriezweig, bei dem es natürlich auf Zeit, Masse und Geld ankommt. Was bedeutet – es mag hier sicherlich auch Ausnahmen geben – dass Tierschutz meist keine Rolle spielt. Die Tiere werden überwiegend im Massenverfahren geschoren, tellergroße Hautteile werden einfach so mit herausgeschnitten. Viele Frauen, die gern mit Wolle handarbeiten, wissen oft nicht, wie viel Blut an den Materialien klebt. Ich bin mir sicher: Wäre Tierschutz im Zusammenhang mit Wolle ein bekannteres Thema, würden viele Frauen auf pflanzliche oder synthetische Fasern umsteigen. Wer weiterhin der Naturwolle die Treue schwört, doch seine Handarbeit nicht auf dem Leid der Tiere ausführen möchte, kann den, wenn auch nicht ganz einfachen, Weg der Information zu Art und Weise der Herstellung suchen.

Wolle aus tierfreundlichen Materialien für den nächsten Pullover

Wolle von lebendigen Tieren zu verstricken ist – man muss es so krass und deutlich sagen – eine Unterstützung der Tierquälerei. Dies wird von den Herstellern von Strickwolle natürlich nicht publiziert. Doch wer genau darüber nachdenkt, wird zu der gleichen Erkenntnis gelangen. Wer für sich entscheidet, sich nicht mehr, wenn auch nur indirekt, an dieser Form der Tierquälerei zu beteiligen, braucht auf das Stricken nicht zu verzichten. Denn wer hier eine Alternative sucht, findet eine reiche Auswahl an tierfreundlichen Materialien wie

  • Baumwolle (ist allerdings auch aus verschiedenen Gründen kritisch zu betrachten)
  • Leinen
  • Soyaseide
  • Hanf
  • Viskose aus Bambus

Diese Materialien sind häufig mit Polyacril oder Polyamid verwoben.

Schon mal etwas von „Mulesing“ und Merinoschafen gehört?

Merinoschafe sind Schafe mit sehr faltiger Haut. Millionen dieser Art werden neben China und Neuseeland besonders in Australien für die Wollproduktion gezüchtet. Oft befallen Fliegen, besonders in den wärmeren Regionen, die Merinos. Für die Schafe eine Qual, denn die geschlüpften Larven beginnen, die Tiere von innen her aufzufressen. Um dem Übel beizukommen, werden den Tieren im sogenannten „Mulesing“ Verfahren, meist ohne Betäubung, tellergroße Hautstücke von ihrem Hinterteil samt Schwanz entfernt. Da gerade Merinowolle eine besonders weiche und angenehme Wolle ist, müssen Millionen Merinoschafe für den Bedarf der Textilindustrie und eben auch für den handgestrickten Schal oder Pullover leiden.

Anmerkung: Leider fehlen mir Informationen zu Herstellern von Strickwolle, die den Tierschutz beachten. Sollte Ihnen, lieber Leser/In Entsprechendes bekannt sein, freue ich mich über einen Hinweis!

Foto: pexels, pixabay

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