Suizid auf Verlangen – Sterbehilfe

 

Jedes mal, wenn von Sterbehilfe die Rede ist, ruft es meine Erinnerung an den wohl bekanntesten Vertreter der aktiven Sterbehilfe Mitte der 80er Jahre hervor. Ich erinnere mich an die Berichterstattungen über Julius Hackethal, ein engagierter Vertreter für humanes Sterben, der im öffentlichen Visier wegen Tötung auf Verlangen stand. Ein Außenseiter.

So erschütterten damalige Filmaufnahmen, in denen das Überreichen von Zyankali an eine unheilbar an Gesichtskrebs erkrankten Frau gezeigt wurden, ließen auf bedrückende Weise die Gewissensnot erkennen, in der sich ein Arzt in einer solchen Situation befindet.

Einen todkranken Menschen von seinen Leiden zu befreien, ihm bei der Entscheidung, sich für einen würdevollen Tod zu auszusprechen, beizustehen, setzt für die Erfüllung und Durchführung dieser schweren Aufgabe nicht nur ein zu erwartendes Fachwissen, sondern auch persönliche Stärke des Arztes voraus.

Kampf für und nicht gegen das Leben

Ein Arzt kämpft für das Leben. Doch im Falle der Ausweglosigkeit würde es in seinem Ermessen liegen, dem betroffenen Patienten in seinem Wunsch nach einem freiwilligen Tod zu helfen. Sofern die Sterbehilfe gesetzlich geregelt wäre.

Die Auffassungen über die aktive Sterbehilfe gehen in den Fachgremien auseinander. Die Ärztekammer verweist im Zusammenhang in den Diskussionen auf ärztliche Ethik.

Die unheilbar an Gesichtskrebs erkrankte Frau wurde damals von Julius Hackethal erlöst. Eine Frau, deren Leiden unbeschreiblich gewesen sein muss. Nur, wenn man die Filmaufnahmen gesehen hat, kann man eine Ahnung von diesen Qualen bekommen und die Handlungsweisen beider Seiten verstehen.

Aktive Strbehilfe ist in Deutschland verboten

Anders sieht es in der Schweiz aus. Der Kanton Zürich wird regelrecht von einem Sterbetourismus überschwemmt. Denn auch Ausländer dürfen das dort geltende Recht in Anspruch nehmen. Unheilbar kranken Menschen wird die Möglichkeit gegeben, ihrem Leben selbstbestimmt ein Ende zu setzen. Hilfe bietet Dignitas, ein Schweizer Sterbehilfe-Verein.

Der Gang zu dieser Institution ist schwer. Menschen, denen ihr Leben in jeder Minute eine unerträgliche Qual ist, gehen diesen Weg. Vor einigen Jahren las ich einen erschütternden Bericht in einer Zeitschrift über genau diese Einrichtung in Zürich. Aufgezeigt wurden fünf einzelne Schicksale.

Zeit der Vorbereitung und des Abschieds

Vom Kampf des Überlebens, von der Ausweglosigkeit, von den ersten Gesprächen in der Züricher Klinik. Die Betroffenen sprachen über ihre Schmerzen, über ihre Ängste, über ihre Todessehnsucht. Nach dem Entschluss, freiwillig und mit ärztlicher Hilfe aus dem Leben zu scheiden, stellte sich bei allen Patienten innere Ruhe ein. Die Entscheidung für das Lebensende auf einen Tag und die Uhrzeit war gefallen. Es blieb Zeit der Vorbereitung, Zeit, um Abschied zu nehmen. Einige Patienten wurden von ihren engsten Angehörigen bis zu Letzt begleitet.

Dieser Bericht ließ mich sehr nachdenklich zurück. Ich stelle mir die Frage, ob ich auch so handeln würde. Man kann sich als gesunder Mensch nicht vorstellen, sich „human töten zu lassen“. Doch anhand trauriger Beispiele wird bewusst, wie wichtig aktive Sterbehilfe als letzter Ausweg sein kann. Tausende sprechen sich in Deutschland für ein humanes Sterben aus, setzen sich in Organisationen dafür ein. Trotzdem ist Beihilfe zum Suizid verboten.

Rechtsgrundlage auf der Internetseite von Dignitas:

Im Art. 115 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB) heißt es:

«Wer aus selbstsüchtigen Beweggründen jemanden zum Selbstmorde verleitet oder ihm dazu Hilfe leistet, wird, wenn der Selbstmord ausgeführt oder versucht wurde, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft.»

Was bedeutet die Umkehr?

Bedeutet eine Umkehr dieses Gesetzesauszuges, Beihilfe zum Suizid ohne selbstsüchtige Motive ist eine legale Handlung? Natürlich ist es eine schwierige Entscheidung, per Gesetz das Töten auf Verlangen im geschilderten Zusammenhang zu erlauben. Schließlich würde legal Macht über Leben und Tod gegeben werden. So berechtigt der Ruf nach einer eindeutigen Regelung des Sterbehilfegesetz in Deutschland auf der einen Seite sein mag, so gefährlich kann die Auslegung der Paragraphen jedoch auch auf der anderen Seite sein.

Fotos: weinstock, pixabay

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Marianne Rauch und ihre Sicht der Dinge…
Bloggerin bei SocialPosition, Standort Berlin
„In jedem Einzelnen von uns steckt die Kraft, Veränderungen in unserer Welt positiv zu beeinflussen.“

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