Tatort: Paradies – Komödie oder Krimi?

Nun wollte ich es wissen – was ist dran am Tatort? Spannendes Paradies?

Nach jahrelanger Enthaltung gab ich gestern Abend endlich meiner Neugier nach. Ich folgte einer allgemeinen Euphorie, welche offensichtlich dem berühmten Sonntagskrimi mit dem bekannten Fadenkreuz nebst eindringlicher Musik im Vorspann jeweils in den Netzwerken vorausgeht. Pünktlich um 20.15 Uhr, das Abendessen lag rechtzeitig hinter mir, verwandelte sich das Wohnzimmer zum Tatort.

Eine Handvoll Paradies

Der verheißungsvolle Titel: Eine Handvoll Paradies, angekündigt als Top-Tipp in der Fernsehzeitung, sowie die im Rockermilieu angesiedelte Handlung versprachen einen spannenden Abend. Nachträglich frage ich mich jedoch, ob die „brisanten Ermittlungen des Kommissars Stellbrink“, dargestellt von Devid Striesow, als ernsthafter Krimi oder doch eher als Komödie gedacht waren. Nichts gegen die schauspielerische Leistung Striesows, der einem deutschen Fernsehkommisar ein neues, oder besser, ein anderes Gütesiegel aufdrückt. Mit der von ihm durchaus sympathischen Auskleidung der Figur des Kommissars gelingt es mir als Zuschauer zumindest, die volle Sendezeit durchzuhalten.

Plakativ und wenig einfallsreich

Den Rest der Handlung kann ich nur als plakativ und wenig einfallsreich bezeichnen. Hier wurden sämtliche Klischees angewendet, die man sich im Zusammenhang mit Rockerbanden vorstellen kann. Doch wenn die „Dark Dogs“ auch noch so sehr tätowiert und in Leder gekleidet waren, einzig authentisch wirkten die Motorräder, die majestätisch über die Landstrasse brausten. Die Rocker-Darsteller indes gaben mir das Gefühl, lediglich in eine Rolle geschlüpft zu sein, ohne sie wirklich auszufüllen.

Undercover-Rocker und ein mäßig unterhaltsamer Abend

Bleibt noch der Undercover-Rocker, dessen Rolle wie eine Alibifigur wirkte, zu erwähnen. Seine zierliche thailändische Ehefrau entpuppt sich am Ende als männlicher Transvestit und sogar als der vom Kommissar gesuchte Mörder. Alles in allem bleibt die Erinnerung an einen mäßig unterhaltsamen Abend und an einen Film, dessen Handlung zwar dürftig, doch der Soundtrack recht ordentlich war und alles gab, um doch noch Spannung zu erzeugen. Wenn dies auch hin und wieder zu viel des Guten war. Laut Fernsehzeitung könnte dieser Kommissar Kult werden…irgendwie erinnert  mich die Figur Stellbrink mit seinem Motorroller, der Sturmbrille und seinen Ermittlungsmethoden weitläufig an Inspektor Columbo. Der wurde schließlich mit seinem alten Auto und dem zerknitterten Mantel auch Kult…

Die Welt-Autor Peter Zander und Devid Striesow

 Foto: bykst, pixabay