(Ur)Wald unterm Weihnachtsbaum

Trotz aller Kritik an der kommerziellen Vermarktung des Weihnachtsfestes scheint das nahende Fest durchaus nicht nur ein Fest der Liebe und Besinnung zu sein. Das Bedürfnis, gerade zu diesem Anlass seine Lieben zu beschenken, schlummert wohl doch in uns allen und so lassen wir uns, soweit und sofern der Geldbeutel es zulässt, auch gern von der übermäßigen Auswahl in Frage kommender Geschenke inspirieren. Die Werbetrommel der Anbieter läuft auf Hochtouren, Angebote locken in den realen sowie virtuellen Schaufenstern. Selbst auf der Suche nach einem schönen Geschenk, stöberte ich in einem bekannten Online-Shop, der unter anderem auch Kaffee offeriert, in der Kategorie Multimedia und Schmuck. Zu meinem Erstaunen waren fast 75% der „günstigen“ Angebote bereits vergriffen. Egal, auf Gold und Diamanten war ich sowieso nicht aus.

Päckchen untern Tannenbaum

So stelle ich mir nun vor, dass unter deutschen Tannenbäumen auch in diesem Jahr die liebevoll eingewickelten Päckchen liegen und nicht nur Kinderaugen zur Bescherung leuchten lassen werden. Doch nicht nur auf den Inhalt, sondern auch auf die Präsentation, sprich auf die Verpackung kommt es an. Schließlich, das Auge isst mit, oder wie im Falle der Geschenke-Tradition, steigert ein hübsch in weihnachtliches Geschenkpapier eingewickeltes Päckchen die Vorfreude. Bereiteten die Überlegungen sowie das Besorgen der Überraschungen doch so manchen Weihnachtsstress, ist man mit den Bemühungen noch nicht am Ende. Sorgfältig wird die passende Hülle für die eher einfachen Kartons ausgesucht und man hat die Wahl zwischen den schönsten und kostbarsten Geschenkpapieren. Matt oder glänzend, Folie oder metallisch, mit Reflexen oder bunten Drucken, handgeschöpft oder Seidenpapier. Mit weihnachtlichen Motiven, Engeln, Rentieren oder Teddys. Oder einfach nur klassisch, schlicht in rot und grün mit goldenen Schriftzügen versehen.

Geschenkpapier – kostbare Ressource

Eines haben fast alle Sorten des Geschenkpapieres gemein: Sie sind oft viel zu schade, um sie nur einmal zu gebrauchen. Doch möchte man niemandem zumuten, ein Geschenk in einem vielleicht leicht zerknittertem Papier zu bekommen. So wird dem hübschen Accessoire wohl das traurige Schicksal zuteil – es landet achtlos auf dem Müll. Ich erinnere mich gern an meinem Großvater. So lange wie möglich zögerte er das Auspacken seiner Geschenke hinaus. Er erfreute sich stets an dem schönen Anblick der bunten Päckchen, verziert mit Schleifen und Bändern. War es dann endlich soweit, ließ er größte Vorsicht walten, um das Papier nicht zu beschädigen. Es wurde geglättet, zusammengefaltet und für das nächste Weihnachtsfest verwahrt. Doch irgendwann hatte selbst dieses Papier ausgedient. Ebenso erinnere ich mich an so manche Bescherungen späterer Jahre, die so ganz anders verliefen angesichts eines gewachsenen Familien-, Freundes- und Bekanntenkreises, als in Kindheitstagen. Dem Konsum- und Schenkzwang unterworfen, wechselten die Präsente bescherent ihren Besitzer. Verpackungen, einschließlich des teuren Geschenkpapiers, wurden mit weit weniger Sorgfalt entfernt, lagen zu guter Letzt zerknüllt und zerrissen auf dem Boden verstreut. Abfall als Nebenprodukt, bereit für die Mülltüte.

Warum erwähne ich dies alles?

Der Rohstoff für Papier gehört zu den Weltressourcen. Bekanntlich fallen ganze (Ur)Wälder der Papierherstellung zum Opfer. Der enorme Verbrauch an Holz, Wasser und Energie belastet unsere Umwelt. Die Industriestaaten mit rund 20 Prozent der Weltbevölkerung verbrauchen mehr als 80 Prozent des Papiers, lt. Naturschutzbund Deutschland e.V. – NABU. Natürlich ist damit nicht nur das Geschenkpapier gemeint. Doch gerade für das liebevolle Verpacken der Geschenke lassen sich viele hübsche und vor allem individuell gestaltete Ideen entwickeln und umsetzen. So kann z. B. das umweltgerechte Verwerten alternativer Materialien oder auch von Altpapier nicht nur den Weltressourcen zugute kommen, sondern auch einen Rückzug in die eigene Kreativität sowie Bereicherung der besinnlichen Zeit bedeuten.

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