Telemedizin – der finale Durchbruch durch COVID-19?

Bei der digitalen Terminvereinbarung bei einer Berliner Praxis für Orthopädie zeigte sich sofort der Hinweis, Videosprechstunden in Anspruch zu nehmen. Das Angebot der Telemedizin als Teil der ärztlichen Versorgung hätte ich gern angenommen, wenn nicht eine persönliche Untersuchung erforderlich gewesen wäre.

Telemedizin – die Bereitstellung von Fernbetreuung durch elektronische Kommunikation war vor COVID-19 nicht weit verbreitet. Der Ausbruch der Pandemie veranlasste den Staat sowie das Gesundheitssystem zur schnellen Handlung und dies lässt sich auch in den Benutzerzahlen von Videosprechstunden erkennen.



Telemedizin: Deutschland im eHealth-Europavergleich auf dem vorletzten Platz

Im Gesundheitswesen tut sich was. Videosprechstunden sind längst keine Zukunftsutopien mehr, sondern sollen verstärkt angeboten werden. Nur mit der Umsetzung sowie der Akzeptanz der Ärzte sowie Patienten hapert es noch. Doch seit Beginn der Corona Pandemie ist auch in diesem Bereich alles anders. So ist die Verwendung von Videosprechstunden allein just nach dem Ausbruch von COVID-19 um mehr als 1.000 Prozent gestiegen. Ob dies jedoch in Deutschland zukunftsfähig ist, bleibt fraglich. Eins ist sicher: Deutschland hinkt im europäischen eHealth-Vergleich massiv hinterher. Schaut man sich die drei Parameter Digital Policy, Digital Health Readiness und Actual Use of Data an, hat Deutschland in allen Disziplinen hohen Aufholbedarf.

Ausbau des Gesundheitssystems für eine funktionierende Telemedizin

In anderen europäischen Ländern unterstützt die Politik den technischen Ausbau des Gesundheitssystems mit bestimmten Gesetzen und bereitet der Digitalisierung einen einfachen Einstieg. So liegen Länder mit einem hohen Wert der Digital Policy im Vergleich weiter oben. Ein anderer wichtiger Faktor für die nachhaltige Etablierung von telemedizinischen Dienstleistungen sind die technischen Gegebenheiten, die sogenannte Digital Health Readiness. Was nutzen uns Videosprechstunden und Datenauswertung aus der Ferne, wenn die Internetverbindung nicht stabil und schnell genug ist.

Videosprechstunden nur mit entsprechender Infrastruktur

So fehlt Deutschland auch in vielen Gebieten die nötige Infrastruktur, um der Telemedizin den Einstieg zu erleichtern. Actual Use of Data – unter diesem Punkt wurde bei einzelnen Ländern untersucht, ob sie digitale Gesundheitsdienste wie die elektronische Gesundheitsakte oder eRezepte bereits standardmäßig nutzen. Leider kann Deutschland auch hier nicht gut abschneiden. Diese Grafik gibt Ihnen einen Überblick über das eHealth Ranking europäischer Länder:

Vergleich: Digital Health Index, Digital Policy, Digital Health Readiness und Actual Use of Data – ein interaktives Diagramm von Zavamed.com

Hauptgrund für diesen geringen Digitalisierungsgrad sind vor allen Dingen die strengen Datenschutzvorgaben in Deutschland. Das Legal Team von Zava – Anbieter für Online-Sprechstunden – bewertet die Situation wie folgt: „Die Tatsache, dass jedes Bundesland über eine eigene Datenschutzbehörde verfügt, die die Umsetzung des Datenschutzes streng kontrolliert, führt zu zusätzlichen Unwägbarkeiten in der Anwendung und Auslegung der Datenschutzvorgaben.“

Foto: StockSnap, Pixabay

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